Deinem Wunsch einer sachlichen Antwort komme ich gerne nach. Bitte sehr:
Weil:
- Die Reichweite zu gering ist
Es gibt mittlerweile E-Autos mit über 700km Reichweite. Und überhaupt: Was bedeutet "zu gering"? Im Alltag scheint es bei vielen Leuten zu passen, sonst gäbe es ja keine E-Autos auf der Straße.
- Die Reichweite in "real live" sehr stark von den genannten Angaben abweicht
Das ist bei Verbrennern natürlich ganz anders. Mein 330i fährt immer mit 7,8 Litern, egal ob in der Stadt oder über Land.
- Die Infrastruktur unzureichend ist
Auslegungssache. Die Anzahl der Ladepunkte wächst schneller als die Anzahl der E-Autos.
- Die Dinger überteuert sind
Du bekommst fast keinen Verbrenner-Neuwagen (es sei denn, man nimmt bei den wenigen möglichen Modellen die Brot- und Butter-Ausstattung) mehr unter 20.000 Euro. Aber ein Elektro-Auto, bei dem der Akku teils schon über 10.000 Euro wert ist, ist zu "überteuert"? Fakt ist: Die Preise nähern sich immer weiter an könnten schon in wenigen Jahren annährend gleich sein.
- Die Produktion (insbesonder die Akkus) umweltschädigend ist
Ja, deswegen (und um sich weniger abhängig von Ländern zu machen, die die sogenannten seltenen Erden in großer Menge haben), arbeiten so ziemlich alle Hersteller daran, möglichst wenig bis gar keine mehr in Zukunft zu verwenden. Aber umgekehrt: Benzin im Tank ist auch nicht einfach da: Wo lokal gefördert wird (und nicht nur per Fracking) entstehen enorme Umweltschäden. Und google doch mal zum Spaß "Tankerunglück", "Kerosinsee" oder "Deep Water Horizon".
Der entscheidende Unterschied dabei: Die Stoffe, die einmal im Akku sind, sind über viele Jahre im Kreislauf nutzbar. Solange das E-Auto damit rumfährt, werden die Rohstoffe genutzt. Während das Benzin oder Diesel mit der Umdrehung der Kurbelwelle als buchstäblich heiße Luft verpufft und dem Klima schadet. Nein, nicht als Vortrieb, nur als Hitze: 8 von 10 Litern Benzin etwa gehen ja nur als Abwärme in die Luft. Da ist die Effizienz eines E-Autos ganz anders.
Und wenn so ein Akku doch mal nach 15 Jahren nicht mehr praxistauglich sein sollte, können die Zellen für andere Zwecke noch genutzt werden, etwa zur lokalen Speicherung von Sonnenenergie. Und wenn sich auch das nicht mehr lohnen sollte Jahre später - kann man den Akku auch noch recyceln. Schon heute sind große Mengen der Rohstoffe nicht verloren sondern können erneut verwendet werden. In einigen Jahren sind die Quoten sicher noch deutlich höher.
- Das Laden der Akkus zu lange dauer
Selbes Gegenargument wie bei der Reichweite. Bei einigen scheint es reichen. Wobei Du heute schon Autos kaufen kannst, die in 20 Minuten Strom für über 400 km Reichweite tanken. Das dauert Dir immer noch zu lange?
Zumal es mir schon angenehm erscheint, nie wieder tanken zu müssen, weil man das Auto einfach am Parkplatz kurz einstöpselt und mit einem immer geladenen Akku unterwegs sein kann. Nie mehr Preise vergleichen, abends zur Tanke fahren oder sich ärgern, dass man morgens tanken muss und dabei von den Ölkonzern zusätzlich geschröpft wird.
- Die Autos alles andere als nachhaltig sind
Aha, es ist also nicht nachhaltig, immer lokal und prinzipiell möglich immer CO2-neutral zu fahren? Stattdessen hältst Du es wohl für nachhaltig, bei jedem Meter, den ein Verbrenner fährt, Dinosaurierüberreste zu verbrennen, die das Klima schädigen und von denen rund 80 Prozent ungenutzt verpuffen?
Edit:
Der größte Fehler war in meinen Augen, das E-Auto als grünen Weltretter zu etablieren und es via willkürlicher politischer Entscheidung den Leuten aufzuzwingen.
Ich stimme Deinem übrigen Post zu 100 Prozent zu. Als "Weltretter" habe ich das e-Auto noch nie gesehen - Fakt ist aber, es macht grundsätzlich vieles besser als ein Verbrenner, eben weil es mit einem Bruchteil der Energie auskommen kann und grundsätzlich in der Lage ist, CO2-frei zu fahren. Wenn man (noch) nicht in der Lage ist, den Strom dafür (größtenteils) aus grünen Energiequellen zu erzeugen, ist das ja kein Fehler des e-Autos.
Und der Begriff "willkürlich" ist auch falsch. Aus meiner Sicht ist es die Aufgabe der Politik, Weichen für Gesellschaft und Wirtschaft zu stellen. Das ist im Fall der e-Autos geschehen und war auch notwendig - sonst hätten wir heute genau so viele e-Autos auf den Staßen wie in den Jahrzehnten zuvor, nämlich keine. Man muss einmal klare Verhältnisse schaffen, damit die Industrie Planungssicherheit hat, was es zu entwickeln gilt. Langfristige Alternativen zum e-Auto sind mir leider nicht bekannt. Wenn Du eine kennst, die praxistauglich ist, zeig her.
Wasserstoff verbrennen ist leider physikalisch keine Option.
Wasserstoff als Brennstoffzelle ist extrem teuer und aufwändig. Daher gibt/gab es auch nur zwei Autos bisher auf dem Markt und die waren mit mindestens 100.000 Euro auch eher teuer. Ein E-Auto gibt es heute ab 30.000 Euro. Von der Tanksituation mal abgesehen. Was würden die e-Auto-Kritiker sagen, wenn nun Wasserstoff ausgebaut werden sollte? Zum einen kannste gar nicht so viel produzieren und zum anderen wird es an anderer Stelle gebraucht. Da lieber zu den mittlerweile brauchbaren Menge an Ladepunkten (siehe Link oben).
Und e-fuels sind ohnehin eine Totgeburt, ein Märchen, das man AfB- und FDP-Jüngern erzählt, damit die sich weiter an ihre Verbrenner klammern können. Dabei werden e-fuels händerinend gebraucht: Für Flug- und Schiffsverkehr, Industrie und mehr - aber sicher nicht, damit der deutschel Michel sich freuen kann, dass er weiterhin 1000 Kilometer vor sich hin dieseln kann, bevor er wieder an die Tanke muss. Und wer nicht lesen will sondern es humorvoll vor Augen geführt bekommen möchte, bitte: https://www.claus-von-wagner.d…s-oder-doch-eher-oe-fuels
Ganz ehrlich Leute: Ich hab doch auch keinen Bock daran, mein Cabby nicht mehr zu fahren - ich hab genau so viel Spaß an Verbrennern wie jeder andere hier im Forum. Aber es nützt halt auch nichts, den Kopf in den Sand zu stecken und zu hoffen, dass die Wissenschaft unrecht hat, damit man selbst nichts ändern muss, oder?